Heft 1 : [6]

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Schlüsselkompetenzen - ein Schwerpunkt in der Arbeit des HDZ

Mit dem Terminus der "Schlüsselkompetenz" bzw. "Schlüsselqualifikation" nimmt das Journal des HDZ ein Leitmotiv auf, das heute in unterschiedlichsten Variationen die Studienreform durchzieht. Mit der Begriffsschöpfung "Schlüsselqualifikation" gelang dem damaligen Leiter des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, Dieter Mertens, Anfang der 70er Jahre (vgl. Mertens 1974) ein semantischer Coup, dessen metaphorische Qualität eine beispiellose Begriffskarriere in Gang setzte. Schon in den frühen 70er Jahren war das Paradigma des manpower approach der Bildungsökonomie in sich zusammengebrochen, demnach aus der Analyse der Anforderungen des Beschäftigungssystems qualitativ und quantitativ der Bedarf an Arbeitskräften an das Bildungssystem hergeleitet werden sollte. Stattdessen trat die Unterdetermination in der Relation zwischen Bildungssystem und Beschäftigungssystem empirisch und theoretisch zu Tage. Mertens als Flexibilitätsforscher versuchte, die strategische Steuerungslücke der "Bildungsproduktion" dadurch zu schließen, dass er aus dem prognostischen Defizit eine Tugend machte. Weil die Absolventen des Bildungssystems immer weniger passgenau mit dem Qualifikationsbedarf für den übergang in das Beschäftigungssystem ausgestattet werden konnten, um diesen in lebenslängliche Berufsbiographien umzusetzen, sollte dieser "gap" mit Schlüsselqualifikationen überbrückt werden, die eine flexible Anpassung an sich ständig verändernde Berufsanforderungen erlauben sollten. Diese Aufgabe der Passung zwischen Bildung und Beschäftigung, die also nicht mehr systemisch steuerbar erschien, wurde damit den Individuen zugespielt bzw. als Ausbildungsaufgabe einer Entwicklung flexibler Disposition in diese rückverlagert. Da es sich in diesem Sinne nicht mehr um den Ausdruck von Anforderungen in Termini von Qualifikationen, d.h. Qualitäten der Inhalte und Prozesse von Arbeit und Beruf handelt (die Mertens’sche Perspektive des Berufsforschers), ist es auch gerechtfertigt von Kompetenzen zu sprechen, d.h. von individuellen Dispositionen, die zur Performanz - also praktischem Handeln - in einer Vielzahl differenter Situationen befähigen. Schlüsselkompetenzen, um die Metapher zu interpretieren, erlauben, immer wieder neue Handlungsräume aufzuschließen. Wie steil die Begriffskarriere nach einer anfänglich auch in der Hochschuldidaktik eher theoretisch geführten Debatte in der ersten Hälfte der 70er Jahre und einer Refraktärphase bis in die frühen 80er Jahre hinein verlief (vgl. dabei ähnlich gelagerte Begriffsstrategien wie die "multifunktionalen Fähigkeiten" in den Wissenschaftsrat-Gutachten zur Differenzierung des Studiums, 1976), zeigt die Zusammenstellung von Didi u.a., die bis 1993 in der Literatur zur Berufsbildung bereits über 600 verschiedene Bedeutungsvarianten identifizierten. In späteren Diskussionen (z.B. Negt, ...) wurde die Metapher von der Sphäre der beruflichen Bildung auf gesellschaftliche Schlüsselqualifikationen ausgeweitet. Zwar ist diese Vieldeutigkeit nicht selten Gegenstand wissenschaftlicher Kritik geworden, die auf die Schwierigkeiten hinweist, die subsummierten Sachverhalte wissenschaftlich zu rekonstruieren. Dennoch besteht heutzutage ein relativ breiter Konsens, dass die Entwicklung beruflicher und gesellschaftlicher Handlungskompetenzen nur als integratives Konzept aus fachlichen, methodischen, sozialen und personenbezogenen Kompetenzen gelingen kann. Die neuere Studienreformdebatte ist darauf angelegt, diese Aspekte in die Lehrund Studienziele bzw. -programme zu integrieren. In diesem Sinne hat es sich auch das HDZ zum Ziel gesetzt, die Bedingungen und Möglichkeiten zu explorieren, die Ziele der Lehr- und Studienpraxis mit Schlüsselkompetenzen anzureichern. Die Gutachter des Dortmunder Reviews und die Strukturkommission haben empfohlen, genau diese Schlüsselthematik zu einem Schwerpunkt der Arbeit des HDZ zu entwickeln. Die vorliegende Ausgabe des Journals gibt einen Einblick darin, wie dieser Schwerpunkt am HDZ ausgestaltet ist:
  • Petra Selent verortet die "Schlüsselqualifikationen im Kontext der Hochschulreform".
  • Sigrid Metz-Göckel und Christine Roloff konkretisieren mit dem Konzept der Genderkompetenz ein Schlüsselthema beruflicher und gesellschaftlicher Bildung.
  • Mit seinem Beitrag zum virtuellen Coaching arbeitet Matthias Heiner neue Aspekte der vieldiskutierten Medienkompetenz heraus.
  • Der Gastbeitrag von Bernd Ott (Fakultät Maschinenbau, Technikdidaktik) umreißt auf der Basis der Schlüsselkompetenzorientierung sein Konzept einer ganzheitlichen Berufsbildung, dessen Relevanz für die Hochschulausbildung deutlich wird.
  • Johannes Wildt schließlich stellt die Vorschläge des HDZ dar, durch Weiterbildung und Beratung die Aneignung von Schlüsselkompetenzen in der Promotionsphase zu fördern.
Das HDZ leistet in den oben beschriebenen Aspekten Beiträge für die Studienreform an der Universität Dortmund wie etwa die Bereitschaft der Universität, sich am Modellversuch zur gestuften Lehrerbildung zu beteiligen und in diesem Zusammenhang besonderes Gewicht auf die Entwicklung von Schlüsselkompetenzen zu lehren, die Aktualität des Themas unterstreicht. Das HDZ ist gerne bereit, seine Kompetenzen in diesem Studienreformprozess einzubringen.
Johannes Wildt

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Issue DateTitleAuthor(s)
Mar-2002Schlüsselkompetenzen in der PromotionsphaseWildt, Johannes
Mar-2002Strukturmerkmale und Zielkategorien einer ganzheitlichen BerufsbildungOtt, Berndt
Mar-2002Genderkompetenz als SchlüsselqualifikationMetz-Göckel, Sigrid; Roloff, Christine
Mar-2002Virtuelles Coaching didaktische Metamodellierung und Transparenz von MetakompetenzHeiner, Matthias
Mar-2002Schlüsselqualifikationen im Kontext der HochschulreformSelent, Petra
Mar-2002Journal Hochschuldidaktik Jahrgang 13 (2002) Heft 1Selent, Petra; Metz-Göckel, Sigrid; Roloff, Christine; Heiner, Matthias; Ott, Bernd; Wildt, Johannes; Wildt, Johannes
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