Authors: Schilling, Matthias
Title: Die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik
Language (ISO): de
Abstract: Unter Rückgriff auf verschiedene wissenschaftliche Methoden umfasst die Dissertation eine differenzierte Untersuchung der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik (KJH-Statistik). Da die wissenschaftliche Sozialpädagogik erst langsam und zögerlich beginnt, die amtliche Statistik der Kinder- und Jugendhilfe wahrzunehmen, liegt das Forschungsinteresse darin, dass eine grundlegende und umfassende wissenschaftliche Analyse der Möglichkeiten und Grenzen der KJH-Statistik vorgenommen wird. Die KJH-Statistik ist Teil der amtlichen Statistik und unterliegt damit den Vorteilen, aber auch den Nachteilen einer amtlichen Statistik. Die Vorteile liegen in der Rechtssicherheit, der Kontinuität, der Einheitlichkeit, der Neutralität sowie der allgemeinen Zugänglichkeit. Die Rechtssicherheit und die Kontinuität sind allerdings auch gleichzeitig der Nachteil der amtlichen Statistik, da schnelle Veränderungen und Anpassungen des Erhebungskonzeptes nicht möglich sind. Im Vergleich zu anderen Sozialstatistiken konnte gezeigt werden, dass die KJH-Statistik mit ihrem mehr-dimensionalen Ansatz und dem Einsatz von Individualerhebungsbogen eine Vorreiterrolle ein-nimmt.Die historische Analyse legte offen, dass die Entwicklung des Erhebungskonzeptes der amtlichen Statistik nicht auf einer systematischen Herangehensweise aufbaute, sondern die Weiterentwicklung eher von Impulsen einzelner Interessengruppen aus der Politik oder der Fachwelt ausging. Diese Erkenntnisse sind insbesondere für die Bestrebungen der Weiterentwicklung von großer Bedeutung.In den umfangreichen Analysen der einzelnen Teilstatistiken konnte aufzeigt werden, dass die Kinder- und Jugendhilfe nach der Reform des Erhebungskonzeptes Anfang der 1990er-Jahre über um-fangreiche und tief gegliederte Daten verfügt, die nicht nur Eckwerte beinhalten, sondern auch wichtige Information über die AdressatInnen, ihre sozialen Hintergründe und die Art der Hilfegewährung. Ebenso wurde deutlich, dass die KJH-Statistik sich nicht nur auf eine Beobachtungsperspektive beschränkt, sondern einen umfassenden Ansatz verfolgt, bei dem Strukturmerkmale (Einrichtungen, Art der verfügbaren Plätze, tätige Personen, Ausgaben und Einnahmen), Merkmale der AdressatInnen und der Hilfegewährung zentrale Elemente des gesamten Erhebungskonzeptes sind.In der kritischen Analyse der Teilstatistiken wurde allerdings auch herausgearbeitet, dass trotz der erheblichen Ausweitung immer noch wichtige Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe, wie z.B. die Kinder in Tageseinrichtungen für Kinder oder die AdressatInnen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, nicht berücksichtigt werden. Die Analyse des Erhebungsinstrumentes beschränkte sich allerdings nicht nur auf konzeptionelle Überlegungen, sondern zielte auch darauf, die kritische Frage zu stellen, wie zuverlässig die Erhebungsergebnisse sind. Die Analyse aller Stationen der Erhebung der einzelnen Teilstatistiken konnte zunächst einmal aufzeigen, dass es sich bei dem Erhebungsverfahren um ein hoch komplexes Geschehen handelt, das an die Auskunftspflichtigen hohe Anforderungen stellt. Die empirische Überprüfung ausgewählter Erhebungsbereiche mit anderen nicht-amtlichen Daten kam zu dem Ergebnis, dass ca. 20% in der Summe aller Hilfen zur Erziehung, die in der KJH-Statistik ausgewiesen werden, entweder fehlerhaft sind oder erst gar nicht erst erfasst wurden. Insbesondere durch die Auswertung von ExpertInneninterviews konnten mehrere Begründungszusammenhänge erkannt und Strategien zur Verbesserung der Erhebungsqualität entwickelt werden.Insgesamt ermöglicht die systematische und vollständige Darstellung und Analyse der KJH-Statistik, dass insbesonders die wissenschaftliche Sozialpädagogik im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfeforschung, die umfangreichen Ergebnisse der KJH-Statistik für die Bearbeitung aktueller und zukünftiger Forschungsvorhaben im Lichte ihrer Möglichkeiten aber auch ihrer klar erkennbaren Grenzen nutzt.
Subject Headings: Kinder- und Jugendhilfe
Statistik
Amtliche Statistik
KJH-Statistik
URI: http://hdl.handle.net/2003/2907
http://dx.doi.org/10.17877/DE290R-14968
Issue Date: 2003-02-24
Provenance: Universität Dortmund
Appears in Collections:Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Pädagogik der frühen Kindheit

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