Authors: Skirde, Stefanie
Title: Kognitive Grundlagen von Finten im Sport
Language (ISO): de
Abstract: In jedem Sportspiel, das eine 1 vs. 1-Situation beinhaltet, z.B. Mannschaftssportarten, wie Basketball, Fußball, Handball oder Einzelsportarten, wie Boxen, sind die beteiligten Personen einem hohen zeitlichen Druck ausgesetzt. Entscheidungen, die sich auf den nächsten Spielzug, und damit auf die nächste Bewegung, beziehen, müssen innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde getroffen werden. Ausschlaggebend für die entsprechende Entscheidung sind dabei unter anderem die aktuelle Situation, der Gegenspieler und dessen Intentionen. So ist es etwa in einer Abwehrsituation in einem Fuß- oder Basketballspiel das Ziel des verteidigenden Spielers, einen Schuss bzw. Wurf des angreifenden Spielers auf das eigene Tor (den eigenen Korb) zu verhindern. Umgekehrt wird derselbe Spieler in einer Angriffssituation versuchen den Ball zu einem Mannschaftsmitglied in der Nähe des gegnerischen Tores/Korbes zu spielen, um selbst einen Punkt zu erzielen. In solchen Situationen reicht es meist nicht aus, wenn ein Spieler auf die momentane Handlung bzw. aktuelle Bewegung des Gegenübers reagiert, sondern er muss aktiv versuchen zusätzliche Informationen über geplante und folgende Spielzüge zu erhalten, um so die Handlungsabsichten des Gegenspielers vorhersagen zu können. Um diesen Vorteil nicht zu verlieren ist es daher das primäre Ziel eines jeden Spielers den Gegner bezüglich seiner wahren Handlungsabsichten zu täuschen. Zu diesem Zweck werden häufig Täuschungsbewegungen, sog. Finten, verwendet. Die Ergebnisse realer Spiele belegen, dass die Anwendung von Finten effektiv ist, die genauen Wirkmechanismen der Finte sind jedoch bislang unbekannt. Die vorliegende Arbeit versucht daher die kognitiven Prozesse, die dem im Weiteren als “Finten-Effekt“ bezeichneten Phänomen unterliegen, zu identifizieren. Zu diesem Zweck erwendete ich eine “Blickfinte“, welche häufig im Basketballspiel angewendet wird und die unter kontrollierten Laborbedingungen untersuchbar schien. Bei einer Blickfinte wird die Orientierung des Kopfes bzw. der Blick/die Blickrichtung des Spielers gezielt zur Täuschung des Gegenspielers verwendet. In jedem der sechs nachfolgenden Experimente sollen die Versuchspersonen einen Basketballspieler beobachten, der entweder eine Finte ausführt oder einen realen Pass zeigt und dabei so schnell und genau wie möglich entscheiden, ob der Spieler den Ball zur rechten oder linken Seite passt. Fintendurchgänge zeichnen sich dadurch aus, dass der Kopf des Spielers und seine Blickrichtung bei Ausführung der Passbewegung in eine andere Richtung als der eigentliche Pass orientiert sind. Im Gegensatz dazu weisen bei einem Nichtfintendurchgang, bzw. einem realen Pass, Kopf-, Blick- und Passrichtung in dieselbe Richtung. Als entscheidendes Ergebnis dieser Experimente zeigt sich, dass die Reaktion auf die Passrichtung erschwert ist, wenn das Stimulusmodel eine Finte zeigt, verglichen mit einer Nichtfintensituation. Dieses ist der bereits erwähnte “Finten-Effekt“. Die Ergebnisse zeigen des Weiteren, dass der Finten-Effekt unabhängig von Antwortgeschwindigkeit, Anwesenheit einer Finte im direkt vorausgegangenen Durchgang (Vergleich der Reaktionszeiten im aktuellen Durchgang (trial n) und dem vorangegangenen Durchgang (trial n-1)), und der Übung der Versuchspersonen, bezogen auf die Aufgabe, ist. Weitere Experimente, welche die “additive Faktorenlogik” (nach Sternberg, 1969) und die “Locus-of-slack“-Logik benutzen, deuten zudem darauf hin, dass der Ursprung des Finten-Effektes eher in einer perzeptuellen als in einer motorischen Verarbeitungsstufe begründet liegt. Es scheint daher so, dass ein Spieler, der seinen Kopf in eine Richtung wendet, die entgegen der eigentlichen Passrichtung liegt, die perzeptuelle Enkodierung der Passrichtung im Beobachter bzw. dem Gegenspieler in einer realen Spielsituation erschwert. Weiterhin zeigt sich, dass die Beobachtung der Kopforientierung bzw. der Blickrichtung allein nicht zu einer Tendenz sich in Richtung der Blickrichtung zu bewegen führt, was ebenfalls gegen die “Motor-Hypothese“ spricht. Die Implikationen die sich aus diesen Ergebnissen für die Planung und Ausführung von Täuschungsbewegungen im Sport ergeben, werden abschließend diskutiert.
Subject Headings: Finten
Kognition
Sport
Täuschung
Wahrnehmung von Bewegungen
URI: http://hdl.handle.net/2003/29434
http://dx.doi.org/10.17877/DE290R-3343
Issue Date: 2012-05-07
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