Authors: Benthaus, Alexia
Title: Oper im Unterricht - zwischen Anspruch und Realität: Möglichkeiten und Grenzen eines multidimensionalen Phänomens
Other Titles: Studie zur Didaktik und Methodik des Themengebietes Oper
Language (ISO): de
Abstract: Obwohl die Oper durch das für sie konstitutive Zusammenwirken von Musik, Szene und Schauspiel mannigfaltige Zugänge für den Musikunterricht bereithält, ist sie nach wie vor ein Reizthema für Lehrende. Die vorliegende Arbeit trägt dazu bei, vor dem Hintergrund aktueller und viel diskutierter didaktischer Strömungen (wie z.B. interdisziplinärer Unterricht, didaktische Interpretation, szenischer Interpretation, Schüler- und Handlungsorientierung, polyästhetische Erziehung) den angemessenen Stellenwert der Oper für den Musikunterricht im Spannungsfeld von Theorie und Praxis darzulegen sowie Wege zur Überwin-dung der (immer noch) vorhandenen Abneigungen und Vorurteile zusammenfassend aufzuzeigen. In der Multidimensionalität der untersuchten Aspekte wird zugleich die enorme Spannbreite und die große Vielfalt möglicher Themen deutlich, besonders im interdisziplinären Unterricht auf der S II.Eine Standortbestimmung der gegenwärtigen Bedeutung der Oper für den Musikunterricht findet in folgen-den Schritten statt: Kapitel 2 bietet zunächst einen Überblick über die bestehenden operndidaktischen Posi-tionen auf der Grundlage der Ansätze aus (opern-) didaktischen Schriften. Um den Stellenwert der Oper in den Schulen der Bundesrepublik Deutschland einschätzen zu können, wird in Kapitel 3 analysiert, in welcher Form Opern in den jeweils aktuellen Richtlinien und Lehrplänen aller Bundesländer verankert sind und welche Werke in welchem Kontext (Themenbereiche, ästhetische Leitideen etc.) genannt werden. Das Ergebnis überrascht: Wenn auch nicht alle Bundesländer einen eigenen Bereich 'Musik und Theater' vor-schreiben, so wird dennoch generell Oper in übergreifende Themenbereiche eingebunden. Handlungsorien-tierte Zugänge, szenische Interpretation und vor allem der Besuch einer Aufführung sind sogar für alle Bundesländer verankert. Diese theoretische Fundierung ist in einem weiteren Schritt mit der Unterrichtspraxis konfrontiert worden. In Kapitel 4 wird eine Fragebogenuntersuchung vorgestellt, die u.a. den Stellenwert der zurzeit aktuellen didaktischen Konzepte und Materialien für die Schulrealität eruiert und deren praktischer Nutzen für die Umsetzung von Opern erfragt. Insgesamt hat die Analyse des Fragebogens gezeigt, dass die Oper für Lehrende der weiterführenden Schulen diskussionswürdig bleibt. Zum einen kann man deutliche Einstufun-gen nach Operngegnern und Opernliebhabern vornehmen, zum anderen ist häufig die Materialfrage in den Vordergrund gerückt worden. Der Unterricht wird von den Lehrenden in erster Linie mit den vorhandenen Schulbüchern gestaltet, obwohl gerade deren Analyse gezeigt hat, dass dort zwar meist ein Kapitel mit Musiktheater und/oder Oper angegeben ist, jedoch oft für die unterrichtliche Umsetzung lediglich eine einzelne Szene vorgestellt wird (Kapitel 5). Dies ist für die Konzeption einer Unterrichtsreihe nicht immer ausreichend, auch wenn die methodisch handlungsorientierte und materialintensive Aufbereitung im Vordergrund vieler Schulbuchdarstellungen steht.Artikel gängiger Fachperiodika werden daraufhin untersucht, welche aktuellen operndidaktischen Konzepte in den letzten 10 Jahren (1990 bis 1999) umgesetzt worden sind (Kapitel 6). Leitende Fragestellung war hier, welche Werke für welche Jahrgangsstufe empfohlen werden und wie ein Zugang zur Oper erreicht wird. Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchung ist, dass sowohl für die S I als auch für die S II interdiszi-plinäre Ansätze sowie Unterrichtsbeispiele auf der Basis von darstellendem Spiel und szenischer Interpreta-tion, die einen gleichermaßen kognitiven wie emotionalen Zugang zur Oper zulassen, für einen Großteil der genannten Werke bedeutsam sind.Die erarbeiteten Daten werden in Kapitel 7 abschließend dahin gehend systematisiert, welchen Stellenwert welche didaktischen Konzepte bei der unterrichtlichen Umsetzung von Oper haben. Trotz der ausdrücklich in den Richtlinien und Lehrplänen aller Bundesländer verankerten Forderungen nach handlungsorientiertem und interdisziplinärem Musikunterricht haben sich für die Praxis bis heute kaum Konsequenzen ergeben. Bestimmt durch Spielpläne, Schulbücher, subjektive Vorlieben und vor allem durch das vorhandene auf-bereitete didaktische Material bleibt der Kanon der erarbeiteten Opern recht einseitig: Mozart ist nach wie vor der Opernkomponist für die schulische Arbeit und seine Zauberflöte ist das Universalwerk aller Jahr-gangsstufen. Für die Mittelstufe sind Porgy and Bess und Die Dreigroschenoper wegen ihrer Nähe zum Song besonders geeignet. Wagner ist vor allem mit Der fliegende Holländer vertreten. Seine großen Musik-dramen hingegen werden in allen untersuchten Bereichen nicht häufig dargestellt. Eine Gegenüberstellung themengleicher Werke findet nur selten statt: Neben dem Romeo-und-Julia-Sujet wird lediglich noch der Orpheus-Mythos betrachtet. Insgesamt ist meiner Ansicht nach diese Beschränkung auf nur wenige Opern nicht sinnvoll. Interdisziplinäre Konzepte, lebensweltlich orientierte Themenauswahl und die Methode der szenischen Interpretation ließen durchaus einen erweiterten Kanon in allen Jahrgangsstufen zu. Hier offenbaren sich deutlich die Grenzen der bisherigen unterrichtlichen Umsetzungen. Um die besonderen Möglichkeiten im Umgang mit dem multidimensionalen Phänomen Oper darlegen zu können, muss der Kanon der Werkempfehlungen dringend erweitert werden. Auf der Basis der von mir konzipierten aspektgeleiteten und erfahrungserschließenden Operndidaktik eignen sich zahlreiche Opern-stoffe, wenn sie vor dem Hintergrund der didaktischen Interpretation (Ehrenforth, Richter) verbunden wer-den mit den Methoden der szenischen Interpretation (Scheller, Stroh, u.a.) und interdisziplinär eingebettet sind (Kapitel 8). Speziell für die S II sind Konzepte der weiterführenden Arbeit aufgezeigt, deren Schwer-punkt auf einer aspektgeleiteten und erfahrungserschließenden Umsetzung sowohl ganzer Werke als auch thematisch gleicher Werkausschnitte liegt. Gerade in der gymnasialen Oberstufe können lebensweltliche Erfahrungskategorien, die aus der didaktischen Interpretation von Musik gewonnen werden, in Zusammen-hang mit den Verfahren der szenischen Interpretation von Opern sinnvolle Möglichkeiten bieten, um die stets immanenten multidimensionalen Bezüge und interdisziplinären Aspekte des 'Gesamtkunstwerkes Oper' (- nicht erst seit Wagner muss man von der Oper als 'Gesamtkunstwerk' sprechen! -) für Schüler interessant werden zu lassen. Die drei Elemente - didaktische Interpretation von Musik, szenische Interpretation von Opern und inter-disziplinäre Verschränkung - sind meines Erachtens nach die fundamentalen Bedingungen für gelun-genen Opern- (Musik-) Unterricht. Die 'Königin der Künste' (Walsh, 1997) bietet für den Musikunter-richt die Chance, die einzelnen Elemente und Dimensionen zu beleuchten, um Lernende zu befähigen, diese Synthese zu durchschauen. Nur vor dem Hintergrund der verschiedenen Einzelkünste kann die Gesamtheit adäquat betrachtet werden und nur aufgrund ihrer Gesamtheit sollte ein Werturteil pro Oper oder contra Oper gefällt werden. Die Multidimensionalität der Gattung schafft die Voraussetzung für einen ebenso multidimensionalen Musikunterricht. Dies muss als Möglichkeit begriffen werden und nicht als Grenze!
Subject Headings: Aspektgeleitete, erfahrungserschließende Operndidaktik
Didaktische Interpretation von Musik
Szenische Improvisation
Szenische Interpretation
Opern in Richtlinien
Opern in Schulbüchern
Operndidaktik
URI: http://hdl.handle.net/2003/2970
http://dx.doi.org/10.17877/DE290R-14579
Issue Date: 2002-01-10
Publisher: Universität Dortmund
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