Authors: Growe, Anna Elisabeth
Title: Knoten in Netzwerken wissensintensiver Dienstleistungen
Other Titles: eine empirische Analyse des polyzentralen deutschen Städtesystems
Language (ISO): de
Abstract: Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Konsequenzen der gestiegenen Bedeutung von Wissen in ökonomischen Prozessen für die Entwicklung des deutschen Städtesystems. Anlass der Fragestellung ist die Beobachtung, dass ökonomische Prozesse zunehmend global organisiert sind und dass die Koordinierung und Steuerung dieser Prozesse durch wissensintensive Dienstleistungen erleichtert wird. Wissensintensive Dienstleister werden in diesem Zusammenhang als Akteure verstanden, die Wissen im Produktionsprozess nutzen und als ökonomisches Gut produzieren. Mit dem von wissensintensiven Dienstleistern produzierten Wissen können sowohl wissensintensive Dienstleister selbst und als auch Unternehmen des warenproduzierenden Gewerbes Wirtschaftsprozesse durchführen und steuern. Wissensintensive Dienstleistungen haben somit eine hohe Bedeutung für ökonomische Prozesse und es stellt sich die Frage, ob und wie sich die Bewertung von Standortfaktoren – und somit die Auswahl von Produktionsstandorten für die Produktion des immateriellen Guts Wissen – durch wissensintensive Dienstleistungen im deutschen Städtesystem verändert. Die Produktion neuen Wissens erfolgt dabei durch die Kombination und Weiterentwicklung bereits bestehenden Wissens in Austauschprozessen zwischen wissensnutzenden Akteuren. Räumliche und kognitive Nähe können diese Austauschprozesse erleichtern. Die Bedeutung von räumlicher Nähe ist jedoch nicht für alle wissensintensiven Dienstleistungsfunktionen gleich. In dieser Arbeit werden drei Wissensformen unterschieden, die von wissensintensiven Dienstleistern produziert werden können: • analytisch-synthetisches Wissen, • synthetisches Wissen und • symbolisches Wissen. Diese drei Wissensformen werden in unterschiedlichen Prozessen hergestellt und weisen stark unterschiedliche Transaktionskosten auf. Diese Kosten können durch räumliche Nähe reduziert werden. Die Produktion neuen Wissens durch eine Verbindung lokaler Wissensbestände mit räumlich entfernten Wissensbeständen ist vor allem in Städten möglich. Städte bilden Knoten, in denen die Einbindung der Akteure in räumlich abgegrenzte Cluster mit der gezielten Einbindung in Netzwerke kombiniert werden kann. Städte sind somit für die Standortwahl von wissensintensiven Dienstleistern besonders interessant. Ein Städtesystem wird als aktive Netzwerkstruktur aus mehreren Städten verstanden, die durch verschiedene Arten von Transferbeziehungen gekennzeichnet ist. Insgesamt können zwei Arten von städtischen Beziehungen unterschieden werden: • die Beziehung einer Stadt zu ihrem Umland und • die Beziehung einer Stadt zu anderen, auch entfernt liegenden Städten. Die Hypothesen dieser Arbeit befassen sich mit Veränderungsprozessen in diesen beiden Formen der städtischen Beziehungen. Dabei werden folgende Fragen diskutiert: • Konzentrieren sich im Zeitverlauf wissensintensive Dienstleistungsfunktionen in wenigen Knoten im deutschen Städtesystem? • Sind die Knoten im deutschen Städtesystem durch ähnliche funktionale Strukturen geprägt oder spezialisieren sich die Knoten auf komplementäre Funktionen? • Können innerhalb von Stadtregionen Regionalisierungsprozesse von wissensintensiven Dienstleistungsfunktionen beobachtet werden? Die Analyse von Konzentrationsprozessen zeigt die Herausbildung eines ausgeprägten West-Ost-Gefälles im deutschen Städtesystem, indem zugleich eine Bedeutungszunahme der großen Agglomerationsräume als Standort für wissensintensive Dienstleistungsfunktionen festgestellt wird. Dabei können zwei Muster unterschieden werden: In den Kernstädten der großen Agglomerationen konzentrieren sich vorwiegend Aktivitäten, die synthetisches Wissen nutzen. In den Umlandräumen der großen Agglomerationen konzentrieren sich Aktivitäten, die analytisch-synthetisches Wissen nutzen. Die Konzentrationsprozesse der unterschiedlichen Wissensformen im deutschen Städtesystem führen auch zu einer unterschiedlichen funktionalen Spezialisierung von Kernstädten (Spezialisierung auf synthetisches Wissen) und Umlandräumen in Agglomerationen (Spezialisierung auf analytisch-synthetisches Wissen). Auf dieser Grundlage wird die Herausbildung von wissensform-spezifischen activity-complex economies diskutiert, innerhalb derer die Arbeit unterschiedlicher Funktionen mit der gleichen Wissensform zu einer hohen kognitiven Nähe führt. Die räumliche Nähe reduziert zugleich Transaktionskosten in den Arbeitsprozessen und vereinfacht die Produktion komplexer Beratungsdienstleistungen. Die Analyse der Regionalisierungsprozesse gibt Hinweise auf einen positiven Zusammenhang zwischen der ökonomischen Dynamik einer Region und den stattfindenden Veränderungen innerhalb von Stadtregionen. Nur durch große ökonomische Dynamik in einer Stadtregion wird ein Entwicklungsdruck aufgebaut, der zu einem relativen Bedeutungsgewinn des regionalen Umlands führt. Dabei werden Regionalisierungsprozesse am stärksten für Dienstleistungen beobachtet, deren Produktionsprozesse durch geringe Transaktionskosten bestimmt sind. Abschließend werden Anknüpfungspunkte für Weiterentwicklungen der in dieser Arbeit herausgearbeiteten Schlüsselthemen für das Verständnis des Zusammenhangs von Knoten in Netzwerken wissensintensiver Dienstleistungen sowie für weitere, vertiefende empirische Analysen von Städten als Knoten vorgeschlagen.
Subject Headings: Dienstleistungen
Metropole
Städtesystem
Stadtregion
Wissensökonomie
Subject Headings (RSWK): Dienstleistungsangebot
Metropole
Städtesystem
Stadtregion
Wissensintensives Unternehmen
URI: http://hdl.handle.net/2003/29221
http://dx.doi.org/10.17877/DE290R-3248
Issue Date: 2011-12-06
Appears in Collections:Raumordnung und Landesplanung

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