Authors: Krause, Marco
Title: Moden in der Hip-Hop-Szene: eine ethnographische Studie über die Bedeutung und Dynamik von Modestrukturen
Language (ISO): de
Abstract: Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Thema der szenespezifischen Moden. Mode soll hier verstanden werden, als eine Tendenz der Nachahmung eines bestimmten Musters (vgl. Simmel 1905, S. 11). Der Kern dieser Forschungsarbeit besteht daraus, anhand einer ethnographischen Studie das szenespezifische Modephänomen im Kontext der Hip-Hop-Szene in seinen Strukturen abzubilden und dessen Facetten, Bedeutungen und Differenzierungen aufzudecken, um daran anknüpfend aufzuzeigen, welche Produkte beziehungsweise Produkteigenschaften die Szene-Mitglieder als Mode deklarieren und konsumieren und welchen Stellenwert dieses Phänomen innerhalb der Szene einnimmt. Die übergreifende Zielstellung bildet dabei die Generierung eines differenzierteren Betrachtungsansatzes des Modephänomens, welcher auf die Vergemeinschaftungsform der Hip-Hop-Szene bezogen ist und deren innere Strukturen und Facetten berücksichtigt. Eben diese Darstellung erfolgt hierbei anhand von Moden, die im Sinne Goffmans das Erscheinungsbild des jeweiligen Szene-Mitglieds formen (vgl. Goffman 1969, S. 25). Anderen Formen der Mode, die beispielsweise auf der Anwendung etwaiger Methoden zur Durchführung szenespezifischer Aktivitäten oder aber rhetorischer Mittel, wie etwa verschiedene Sprüche oder Phrasen, basieren, fanden im Rahmen dieser Arbeit lediglich Erwähnung, wurden jedoch nicht in den Fokus der Analyse gerückt. Um dieses Vorhaben zu realisieren wurde ein auf dem Forschungsprogramm der Ethnographie fußendes, exploratives Forschungsdesign entworfen und angewandt. Dieses setzte sich aus verschiedenen Verfahren der Datenerhebung und der Datenanalyse zusammen. Als Methoden der Datenerhebung dienten die teilnehmende Beobachtung, die beobachtende Teilnahme und leitfadengestützte Interviews (vgl. Honer 2011b; vgl. Honer 2011d; vgl. Hitzler, Eisewicht 2016). Zudem wurde Datenmaterial aus verschiedenen szenespezifischen Medien erhoben und der Datenanalyse zugeführt. Als übergreifende Methode der Datenanalyse wurde die reflexive Grounded Theory verwendet (vgl. Breuer 2009 und 2017). Ergänzt wurde dieses Hauptverfahren der Datenanalyse um zwei weitere Kodierverfahren. So fungierte eine hermeneutisch orientierte Form der Feinkodierung als nachgelagerte Tiefenanalyse der identifizierten Schlüsselstellen des textbasierten Datenmaterials (vgl. Breuer et al. 2017, S. 52 ff., S. 55; vgl. Breuer 2009, S. 44 ff., S. 81; vgl. Kurt 2004, S. 243 ff.). Hingegen wurde für die tiefergehende Analyse des verwendeten Bildmaterials auf die visuelle Grounded Theory als Instrument der Datenanalyse zurückgegriffen (vgl. Mey, Dietrich 2016; vgl. Dietrich, Mey 2018). So konnten durch dieses aufeinander Beziehen der unterschiedlichen Daten und Methoden offene Fragen sowie vorläufige Befunde auch in Relation zu anderen Daten und unter Verwendung verschiedener Analyse-Verfahren betrachtet werden und führten so zu neuen Erkenntnissen beziehungsweise zum Erkennen und Reflektieren von vorliegenden Lücken im Datenmaterial, welchen dann wiederum durch eine gezielte Datenerhebung im Rahmen des Theoritical Samplings nachgegangen werden konnte (vgl. Hitzler 2000a, S. 21; vgl. Burzan 2016, S. 54, S. 56). Unter Anwendung dieses Forschungsdesigns konnten grundlegende Merkmale, die das Modephänomen kennzeichnen herausgestellt und in Relation zueinander abgebildet werden. Dabei wurden im Rahmen des Forschungsprozesses zwei Kernkategorien identifiziert, die das Phänomen der Mode im Kontext der Hip-Hop-Szene rahmen. Bei diesen Kernkategorien handelt es sich um die szene-interne Struktur und den szenespezifischen Produktkonsum. So stellt auf der einen Seite die szene-interne Struktur den Raum bereit, in dem sich das Modephänomen etabliert und vollzieht beziehungsweise seine Dynamik ausprägt. Hingegen stellt auf der anderen Seite die Kernkategorie des szenespezifischen Produktkonsums den Inhalt bereit, der die Mode als solche erst erkenntlich und konsumierbar macht. Das heißt, im Bereich des szenespezifischen Produktkonsums bilden sich etwaige Formen der Produktdifferenzierungen aus, die die Grundlage für die Ausprägung eines Vorgänger-Nachfolger-Schemas darstellen, welches sich in der Szene beziehungsweise in Teilen der Szene vollzieht. Diese Produktdifferenzierungen können dabei verschiedene Grundformen aufweisen. In der vorliegenden Arbeit wurde hierbei zwischen den Formen der Produktkombination, der Produktausrichtung und der Produktnuancierungen unterschieden. Produktnuancierung meint hierbei die Variation des Produktes in verschiedenen Produktdimensionen, wie beispielsweise der Länge, der Breite, der Marke oder der Farbe. Das aus diesen Produktdifferenzierungen resultierende Vorgänger-Nachfolger-Schema bildet dabei den strukturellen Ausgangspunkt für die Etablierung einer szenespezifischen Mode. Grundlegend hierfür ist der Aspekt, dass dieses Schema auf einer Tendenz der Nachahmung basiert. Das heißt, dass ein vorgegebenes Konsummuster durch verschiedene Szene-Mitglieder nachgeahmt wird. Dabei ist die Legitimität einer Nachahmung innerhalb der Hip-Hop-Szene stark abhängig von der strukturell bedingten Relation zwischen dem Akteur, der das entsprechende Konsummuster vorgibt und dem Szene-Mitglied, welches dieses nachahmt. Ebenso ist auch der Grad beziehungsweise die Intensität der Nachahmung eines vorgegebenen Konsummusters von entscheidender Bedeutung für die Ausprägung eines legitimen und anschlussfähigen Konsumstils. So gilt beispielsweise das vollständige Kopieren des Konsumstils eines anderen Szene-Mitglieds als illegitim und wird szene-intern entsprechend sanktioniert. Hingegen gilt das bloße Aufgreifen und Integrieren eines einzelnen fremden Konsum-Aspekts in den eigenen individuellen Stil eines Szene-Mitglieds durchaus als legitim und kann mitunter wiederum den Ausgangspunkt für eine Produktdifferenzierung bilden, die zu einer neuen Mode deklariert wird. Das heißt, die Tendenz der Mode wird im Laufe des szene-internen Durchdringungsprozesses entlang der szene-internen Strukturen und Relationen der verschiedenen Wirkungsbereiche überformt und dadurch differenziert. Auf diese Weise kommt es zur Ausbildung von subgruppenspezifischen Ausprägungen der entsprechenden Mode, mit einer je eigenen Dynamik. Somit konnte übergreifend betrachtet festgehalten werden, dass sich die Bedeutung, die Relevanz sowie die Struktur, die Dynamik und der produktbasierte Inhalt einer Mode entlang der internen Strukturen der Hip-Hop-Szene aufgliedern und so jeweils differenzierte Ausprägungen eben dieser hervorbringen.
Subject Headings: Mode
Szenen
Ethnographie
Psychologie
Soziologie
Subject Headings (RSWK): Hip-Hop
Mode
Verbraucherverhalten
URI: http://hdl.handle.net/2003/38146
http://dx.doi.org/10.17877/DE290R-20125
Issue Date: 2018
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