Authors: Volkmann, Anne
Title: Gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Daseinsvorsorge und räumlichen Verwirklichungschancen
Language (ISO): de
Abstract: Gleichwertige Lebensverhältnisse erfahren in der politischen Debatte zurzeit eine starke Aufmerksamkeit. Die CDU-CSU-SPD-geführten Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode die Einsetzung einer Kommission ‚Gleichwertige Lebensverhältnisse‘ beschlossen, die bis Mitte 2019 konkrete Vorschläge für eine Politik gleichwertiger Lebensverhältnisse erarbeiten soll. Dieses Vorhaben steht vor der Herausforderung, das Postulat gleichwertiger Lebensverhältnisse zunächst einmal zu definieren. Obwohl es sich um ein zentrales raumordnungspolitisches Postulat handelt, bleibt es erstaunlich unkonkret. Wozu soll die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse dienen und worin besteht sie? Die (Neu-)Interpretation des Postulats ist Inhalt einer zurzeit an Dynamik gewinnenden raumwissenschaftlichen und politischen Debatte. Ausgelöst wird sie durch zum Teil stark divergierende demographische und räumliche Entwicklungen. Die Lebensqualität in schrumpfenden, peripheren Regionen leidet unter Abwanderung und Perspektivlosigkeit, während das Wohnen in den Ballungszentren immer teurer wird und Verdrängungsmechanismen in Gang gesetzt werden. Offensichtlich entwickeln sich die Lebensverhältnisse auseinander und nicht alle profitieren gleichermaßen. Insbesondere ein kontinuierlicher Rückgang der Bevölkerung in den schrumpfenden Räumen stellt das Postulat gleichwertiger Lebensverhältnisse vor große Herausforderungen. Die Tragfähigkeit der Daseinsvorsorge wird gefährdet und bisherige Erreichbarkeitskriterien werden infrage gestellt. Die Diskussion über die Neuausrichtung gleichwertiger Lebensverhältnisse drehte sich lange Zeit vorrangig um eine Anpassung von Input-Faktoren für gleichwertige Lebensverhältnisse – also die räumlichen Strukturen und Angebote der Daseinsvorsorge. Zunehmend setzt sich im Diskurs aber ein Umdenken weg vom Input hin zum Outcome durch. Der Outcome gleichwertiger Lebensverhältnisse schaut auf den Nutzen von Daseinsvorsorge für die Lebensqualität. Die vorliegende Arbeit knüpft an diesen Diskurs an. Sie plädiert dafür, gleichwertige Lebensverhältnisse in Anlehnung an den capability approach von Amarty Sen als räumliche Verwirklichungschancen neu zu interpretieren, um sozialen und räumlichen Differenzen in den Lebensverhältnissen gerecht zu werden und den Fokus auf den Nutzen der Daseinsvorsorge zu legen. Je nach Persönlichkeitsmerkmalen und sozialräumlichem Kontext bedienen sich Menschen ganz unterschiedlicher Strategien und benötigen ganz unterschiedliche Ressourcen für eine Verwirklichung ihrer Lebensziele. Diese Strategien zu unterstützen und die benötigten Ressourcen zugänglich und nutzbar zu machen, ist Aufgabe einer Politik räumlicher Verwirklichungschancen. Niemandem sollten dieser Interpretation gleichwertiger Lebensverhältnisse zufolge Lebenswege aufgrund des Lebensortes verschlossen bleiben. Die Arbeit ist in zwei Teile strukturiert: im ersten Teil werden die Entwicklung, die rechtliche Verankerung, die Instrumente sowie die Indikatoren und Messkonzepte gleichwertiger Lebensverhältnisse analysiert und daraus Rückschlüsse auf den normativen Kern des Postulats in seiner bisherigen Interpretation gezogen. Im zweiten Teil wird unter Rückgriff auf Sozialstaatstheorien und politische Gerechtigkeitstheorien eine (Neu-) Interpretation gleichwertiger Lebensverhältnisse als räumliche Verwirklichungschancen vorgeschlagen.
Subject Headings: Gleichwertige Lebensverhältnisse
Räumliche Gerechtigkeit
Raumordnungspolitik
Verwirklichungschancen
Capability approach
Subject Headings (RSWK): Lebensbedingungen
Raumordnungspolitik
Realisierung
URI: http://hdl.handle.net/2003/38381
http://dx.doi.org/10.17877/DE290R-20314
Issue Date: 2018
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