Evangelischer Religionsunterricht zwischen Identität und Verständigung
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Date
2011-10-27
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Der Lehrende muss sich im Religionsunterricht täglich im Spannungsfeld von
Identität und Verständigung behaupten. Die Welt, in der wir leben, ist vielfältiger, d.h.
mulikulturell und multireligiös geworden. Gleichzeitig wird es für den Einzelnen immer
wichtiger, seinen ganz individuellen Weg und Platz in dieser sich
ausdifferenzierenden Gesellschaft zu finden. Das Bildungssystem und mit ihm der
Religionsunterricht ist durch den globalen Wandel neu herausgefordert. Es muss
eine tolerante, offene und dennoch nicht konturlose Erziehung gewährleistet sein.
In unserem Land ist ‚Religion’ als Lehrfach von gesetzwegen konfessionell
ausgerichtet. Die die Eigenheiten der jeweiligen Glaubensgemeinschaft werden so
respektiert und geschützt. Das führt allerdings zu der Frage, was dieses ‚Besondere’
ist und was, ganz allgemein, das Wesentliche des Christentums ausmacht. Was
vermittelt die schulische Religionslehre zum christlichen Glauben? Oder anders
gefragt: Welche ‚Basics’ benötigen die Heranwachsenden von heute, um sich selbst
ein Bild von ihrer Religion machen zu können? Welche Grundlagen und Wege
vermittelt der aktuelle Religionsunterricht, um die notwendige Verständigung mit
Andersdenkenden, Andersgläubigen zu fördern?
Diese Arbeit skizziert hierzu in einem ersten Schritt die konstitutive
Rahmenbedingungen des Faches und stellt die Position der EKD zum
Religionsunterricht im Spannungsfeld von Identität und Verständigung dar (Kapitel
1). Darüber hinaus bildet sie Kategorien, die das Bild und somit die ‚Identität’ des
Christentums inhaltlich beschreiben. Diese betreffen vorrangig die Gebiete Sprache,
Gottesbezeichnungen, Bibel und Kirche (Kapitel 2).
‚Verständigung’ hingegen heißt im Religionsunterricht meist noch immer die
Auseinandersetzung mit nicht christlichen Weltreligionen als Fremdreligionen. Erst in
neueren Ansätzen zeigen sich darüber hinaus erste methodische Überlegungen hin
zu einem Religionsdialog in der Schule (vgl. Kapitel 3).
Für seine Unterrichtspraxis bleibt der Lehrende dennoch darauf angewiesen, dass
Richtlinien und Lehrpläne für sein Fach alle notwenigen Aspekte ausreichend
berücksichtigen. In der praktischen Umsetzung ist er dabei meist noch auf sich allein
gestellt oder abhängig von den ihm zur Verfügung stehenden Unterrichtsmaterialen.
Da kein Medium die schulische Praxis jedoch so bestimmt, wie das Schulbuch,
analysiert der zweite Teil der Arbeit eine Auswahl neuerer Schulbücher für das Fach
der Evangelischen Religionslehre der Sek. I in NRW (Teil 2, Sammlung von
exemplarischen Einzelanalysen). Hierfür mussten im Vorfeld nicht nur oben genannte
Kategorien definiert, sondern auch geeignete Analysemethoden für die horizontale
Gruppenanalyse gefunden werden (Kapitel 4). Durch die Verbindung einer
modifizierten Raumanalyse, der Frequenzanalyse und anhand der Erstellung eines
die qualitative Inhaltsanalyse leitenden Fragekatalogs ist es gelungen, zahlreiche
Daten mit teilweise überraschenden Ergebnissen zu sammeln und auszuwerten
(Kapitel 5).
So kann diese Arbeit nachweisen, dass zwar alle untersuchten Reihen Ansätze zur
‚Verständigung’ aufweisen, hier in Umfang und Herangehensweise aber deutlich
variieren. Insgesamt sind indessen immer Aspekte der ‚Identität’ dominant. Alle vier,
der untersuchten Kategorien, wurden als wesentliche Lerninhalte nachgewiesen.
‚Sprache’, speziell Bild- und Symbolsprache, wird dabei in vielen Lehrwerken als
Schlüssel zur Religion verstanden und aufgearbeitet.
Mit Hilfe der Frequenzanalyse war es darüber hinaus möglich, die Gottesnamen
herauszufiltern, die prägnant für das Reden über und von Gott innerhalb der
Lehrwerke sind. Die Analyse der Informationen zur Bibel sowie die Erfassung der
jeweils im Buch eingesetzten Bibelstellen zeigt auf, welche Sachinformationen der
Religionsunterricht hierzu vermittelt und welche biblischen Texte in besonderem
Maße unterrichtsrelevant sind bzw. welche nur wenig Beachtung finden. Schließlich
veranschaulicht die Charakterisierung des Themenkomplexes ‚Kirche’, wie das
Schulbuch theoretische Informationen mit Beispielen gelebten bzw. lebendigen
Glaubens verknüpft.
Durch ihre Inhalte und ihr Vorgehen gibt die Arbeit dabei nicht nur eine
Momentaufnahme des heutigen Religionsunterrichts im Spiegel seiner Schulbücher
wider, sondern sie stellt weitergehende Grundlagen und Methoden für einen
professionellen, weil sensibilisierten und wissenschaftlich fundierten Umgang mit
dem Medium ‚Schulbuch’ zur Verfügung.
Description
Table of contents
Keywords
Christentum, Evangelischer Religionsunterricht, Schulbuch, Schulbuchanalyse, Sekundarstufe I