Institut für Diversitätsstudien

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    Vorsprung durch Mehrsprachigkeit?
    (2025) Odermann, Katrin; Mertins, Barbara; Engemann, Helen
    Die Dissertation „Vorsprung durch Mehrsprachigkeit? Eine empirisch- experimentelle Untersuchung zum metalinguistischen Bewusstsein bei Vorschulkindern mit unterschiedlichen sprachlichen Hintergründen.“ ist im Bereich der Psycholinguistik verortet und widmet sich dem Thema der Entwicklung des metalinguistischen Bewusstseins bei bilingualen und monolingualen Vorschulkindern, mit einem besonderen Fokus auf einem bislang wenig erforschtem Teilbereich des metalinguistischen Bewusstseins: dem semantischen Bewusstsein. Erstmals wird hierfür ein multimethodischer Zugang gewählt, der Eye-Tracking im Visuellen World-Paradigma mit Elizitationsverfahren, standardisierter Wortschatzmessung und einem umfangreichen Elternfragebogen kombiniert. Ein zentrales methodisches Novum besteht darin, dass Bilingualismus nicht als homogene Kategorie behandelt wird, sondern der Grad des Bilingualismus systematisch erfasst wird. Darüber hinaus fließen weitere relevante Einflussfaktoren wie der sprachliche Input in beiden Sprachen sowie der sozioökonomische Status systematisch in die Auswertung ein. Die kumulative Dissertation setzt sich aus vier publizierten bzw. zur Publikation eingereichten Artikeln zusammen: Der erste Artikel bildet die theoretische Grundlage der Dissertation und unterstreicht die Relevanz metalinguistischen Bewusstseins für den Schriftspracherwerb (Wolf & Katzir-Cohen 2001). Es wird argumentiert, dass die häufige Gleichsetzung von Migrationshintergrund, Mehrsprachigkeit und schulischem Misserfolg empirisch nicht haltbar ist. Stattdessen zeigt der Artikel auf, dass metalinguistische Fähigkeiten, insbesondere phonologische und semantische Aspekte, eine entscheidende Rolle im Schriftspracherwerb spielen und durch Mehrsprachigkeit gefördert werden können. Der Artikel betont die Bedeutung exekutiver Funktionen wie Aufmerksamkeitskontrolle und Inhibition, die bei bilingualen Kindern durch die ständige Ko-aktivierung ihrer Sprachen besonders ausgeprägt sind (Bialystok, 1986, 2001; Davidson et al., 2019; Gonçalves et al., 2021). Der zweite und dritte Artikel bauen auf der theoretischen Grundlage des ersten Artikels auf und liefern empirische Belege für die positiven Effekte von Mehrsprachigkeit auf das semantische Bewusstsein. Beide Studien untersuchen die Verarbeitung von Homonymen bei über 80 mono- und bilingualen Vorschulkindern mit unterschiedlichen sprachlichen Hintergründen, wobei die bilingualen Kinder neben Deutsch mindestens eine von 16 dokumentierten Familiensprachen sprechen. Die Ergebnisse der Verhaltensstudie des zweiten Artikels zeigen, dass bilinguale Kinder im Vergleich zu monolingualen Gleichaltrigen signifikant besser in der Interpretation von Homonymen abschneiden, was auf eine frühzeitige Entwicklung eines differenzierten Bewusstseins für die Arbitrarität sprachlicher Zeichen hinweist. Der dritte Artikel geht einen Schritt weiter und untersucht mithilfe von Eye-Tracking, wie bilinguale und monolinguale Kinder Homonyme verarbeiten. Die Ergebnisse zeigen, dass bilinguale Kinder ein differenzierteres semantisches Bewusstsein aufweisen als monolinguale – trotz vergleichbarer Muster in der Echtzeitverarbeitung. Die zentrale Erkenntnis der beiden Studien aus Artikel 2 und 3 ist, dass bilinguale Kinder im Vorschulalter ein weiter entwickeltes semantisches metalinguistisches Bewusstsein zeigen als ihre monolingualen Peers – unabhängig von kontrollierten Einflussfaktoren wie rezeptivem Wortschatz, sprachlichem Input oder sozioökonomischem Status. Besonders hervorzuheben ist, dass sich der sprachliche Input in der Familiensprache keineswegs negativ auf die Leistungen im semantischen Bewusstseinstest auswirkt. Damit widersprechen die Ergebnisse gängigen Interpretationen aus Schulleistungsstudien (Lewalter et al., 2023; McElvany et al., 2023), in denen das Fehlen deutschsprachiger Kommunikation im Elternhaus als Risikofaktor für schwache Leseleistungen gewertet wird. Die vorliegenden Befunde legen vielmehr nahe, dass die Verwendung der Familiensprache positive Effekte auf das metalinguistische Bewusstsein haben kann – insbesondere im Bereich des semantischen Bewusstseins, das eine zentrale Voraussetzung in späteren Phasen des Schriftspracherwerbs darstellt. Der vierte Artikel erweitert die empirisch ausgerichtete Perspektive um eine theoretische Auseinandersetzung mit dem phonologischen Bewusstsein im bilingualen Kontext und es wird eine bislang wenig erforschte, aber theoretisch relevante Sprachkonstellation beleuchtet. Am Beispiel des Sprachpaares Tschechisch–Deutsch wird gezeigt, wie sprachspezifische Merkmale die Entwicklung phonologischer Teilfertigkeiten prägen. Die Dissertation liefert damit einen innovativen Beitrag zur psycholinguistischen Forschung, indem sie semantische Aspekte des metalinguistischen Bewusstseins empirisch erschließt und die Heterogenität bilingualer Sprachentwicklung differenziert berücksichtigt.
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    The influence of grammatical gender on cognition: the case of German and Farsi
    (2025-11-20) Fatemi, Maryam; Mertins, Barbara; Schroeder, Vincent
    This study investigates whether and how grammatical gender influences cognition by comparing speakers of German, a language with three grammatical genders (masculine, feminine, neutral), and Farsi, a genderless language. Using object description tasks, we examined how grammatical gender affects the assignment of descriptive properties to objects. German monolinguals demonstrated significant effects of grammatical gender on object categorization. This effect was particularly evident in the first adjectives produced, indicating an immediate and automatic link between grammatical gender and conceptual representation. In contrast, Farsi monolinguals showed no such effects, consistent with Farsi’s lack of grammatical gender, and their adjective choices were unaffected by gender category, adjective order, sex, or age. Notably, German speakers perceived objects with neutral grammatical gender as genuinely neutral, underscoring the cognitive reality of the neuter category. These findings highlight how the presence or absence of grammatical gender in a language shapes cognitive processing and support linguistic relativity. The study also emphasizes the importance of including neutral gender and of cross-linguistic comparisons in future research to deepen our understanding of language–thought interactions.
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    Investigating motion events
    (2023) Marklová, Anna; Mertins, Barbara; Allen, Shanley
    This cumulative dissertation investigates the impact of language-specific patterns, specifically aspect category, on speech and perception of goal-oriented motion events. The dissertation consists of three articles that present the project’s outcomes and significant findings. Before presenting the articles, the dissertation provides an extensive overview of the field of linguistic relativity and previous research on conceptual perspectives. The methodology employed in the experiments is thoroughly described, including the rationale behind the chosen methods and participant groups. In total, data from 367 individuals were analyzed to support the findings presented in this dissertation. Five experiments in total were conducted. The first experiment, an input study with speech elicitation, is presented in the Description of locomotion events: Language-specific patterns in child-directed speech. The second experiment, an eye-tracking study with adults, is presented in the Perception of Goal-oriented Locomotion Events in Monolingual and Bilingual Adults: Free-viewing eye-tracking study. The three remaining experiments are presented in Expression and perception of endpoints during language acquisition: Three studies on Czech. They include an elicitation experiment, an interactive speech production, and an eye-tracking experiment with children. The research conducted in this dissertation led to several conclusions. Firstly, conceptual preferences were found to play a role during first language acquisition. The input provided by parents already contains language-specific patterns, including the expression of endpoints. Secondly, eye-tracking experiments did not uncover language-specific patterns. These experiments aimed to determine if the influence of perspectives on visual perception persisted without additional language tasks. However, no evidence supporting this hypothesis was found. Thirdly, the research highlights the difficulties associated with experimental methods. Moving away from single mono-logical utterances to dialogues introduces higher complexity, including turn-taking forms, questions, answers, and repetitions. Lastly, the dissertation emphasizes the importance of including bilingual participants in experiments and not solely relying on monolinguals. Overall, this dissertation sheds light on the influence of language-specific preferences on description and visual perception of goal-oriented motion events. The research reveals the role of conceptual preferences in first language acquisition, limitations in uncovering language-specific patterns in visual perception, challenges in experimental methods, and the significance of including bilingual participants.
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    Varianten der Kulturalität in Kinder- und Jugendliteratur aus Asien
    (2021) Grimm, Lea; Marci-Boehncke, Gudrun; Ewers, Hans-Heino
    Angesichts zunehmender Internationalität und Diversität der Schülerschaft im Kontext aktueller Migrationsdynamiken, aber auch angesichts des zunehmenden Bedürfnisses nach Verabschiedung einer in die Jahre gekommenen Vorstellung von Integration zugunsten eines zeitgemäßen Konzepts von Inklusion im bestmöglichen Sinne, bedarf es im modernen Literaturunterricht, charakterisiert als Ort der Kultur(en)vermittlung par excellence (vgl. Kepser/Abraham 2016) einer neu konturierten Modellierung kulturellen Lernens, um den vielfältigen Herausforderungen im Klassenzimmer zu begegnen. Obwohl es evident zu sein scheint, dass Angehörige verschiedener Kulturen neben Unterschiedlichkeiten auch Gemeinsamkeiten aufweisen, dass in fremdkultureller Literatur neben kulturspezifischen Elementen auch kulturübergreifende oder kulturverbindende Elemente identifiziert werden können und dass in kulturbezogenen schulischen Lernprozessen die Begegnung mit dem Vertrauten ebenso bedeutend ist wie die Begegnung mit dem Fremden, wurde bisher noch nicht der Versuch unternommen, diese Gedanken gezielt für die Literaturdidaktik systematisch aufzubereiten und auszuwerten. Diese Lücke möchte die vorliegende Studie schließen. Dabei greift sie auf bewährte interkulturelle und transkulturelle Ansätze zurück und stellt ihnen eine komplementäre Ergänzung zur Seite: den metakulturellen Ansatz. Metakulturalität wird hergeleitet, als theoretisches Konzept entwickelt und für den Literaturunterricht operationalisiert. Die Studie möchte gleichermaßen die noch unentdeckten Potenziale von übersetzter Kinder- und Jugendliteratur aus Asien ans Licht befördern. Daher fragt sie: Inwiefern kann Kinder- und Jugendliteratur aus Asien exemplarisch einen Beitrag zur Identifizierung inter-, trans- und metakultureller Elemente (= Varianten der Kulturalität mit Metakulturalität als neuer Komponente) leisten und welche Folgerungen ergeben sich daraus für das inter-, trans- und metakulturelle Lernen? Dieser Frage wird in drei Teilen nachgegangen. In Teil 1 wird der Stand der Forschung zu den etablierten Konzepten der Interkulturalität und Transkulturalität aufgearbeitet sowie der metakulturelle Ansatz theoretisch gerahmt und entfaltet. In Teil 2 folgt eine Untersuchung von übersetzter Kinder- und Jugendliteratur aus Asien unter dem Fokus der nun um eine metakulturelle Komponente erweiterten Kulturalität. In Teil 3 wird inter-, trans- und metakulturelles Lernen didaktisch modelliert. Bei all diesen Überlegungen spielt parallel das Erbe der NEW LONDON GROUP (1996) eine Rolle, und zwar unter dem Fokus der Mehrsprachigkeit.