Bildungslandschaften wirksam steuern - eine heuristische Wirkungslogik unter Berücksichtigung des sozio-ökologischen Kontexts
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2018
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Abstract
Wenn das Bildungssystem seinen Auftrag nach einem chancengerechten Ausgleich
gesellschaftlicher Ungleichheiten ernst nimmt, muss der soziale Kontext des
schulischen Umfelds in den Blick genommen werden und die ganzheitliche
Förderung der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen
angestrebt werden. Bildungslandschaften verfolgen programmatisch diesen
Anspruch, allerdings ist ihre Wirkungsweise bisher nicht systematisch erforscht,
wie die in Beitrag I vorgenommene ausführliche Literaturübersicht zur
Regionalisierung zeigt (Jungermann, Manitius, Berkemeyer & Bos, 2015). Insgesamt
fehlt es an theoretischen Konzeptionen, was unter anderem in der Komplexität des
Gegenstands begründet ist, die in der wissenschaftlich-fachlichen Einschätzung
unbestritten ist (ebd.). Daher erscheint eine pragmatische und kleinschrittige
Vorgehensweise bei der Erarbeitung eines Theoriemodells zielführend, um die
Komplexität damit zwar nicht aufzulösen, aber sich ihr anzunähern.
Eine solche Annäherungsstrategie bietet der Ansatz der wirkungsorientierten
Steuerung. Wendet man diesen an, ergibt sich, dass Bildungslandschaften eine klare
und transparent kommunizierte Wirkungslogik benötigen – sowohl für die
Steuerung als auch für die wissenschaftliche Erforschung. Die Wirkungslogik
erklärt, wie die Bildungslandschaft als soziale Innovation zu gesellschaftlichen
Veränderungen vor Ort beiträgt, welche konkreten Veränderungen bei den
Zielgruppen angestrebt werden, welche Wirkannahmen den Aktivitäten zu Grunde
liegen und wie Zielerreichung und Prozesse überprüft werden. Eine solche
Wirkungslogik basiert auf den impliziten Theorien der handelnden Akteure, wird
aber durch Rückbezug auf wissenschaftliche Theorien stärker legitimiert.
Bronfenbrenners Sozialökologie dient als geeigneter theoretischer Rahmen, um
Ansatzpunkte für eine Wirkungslogik von Bildungslandschaften zu identifizieren
(Bronfenbrenner, 1979; Bronfenbrenner & Morris, 2006). Der Theorieansatz nimmt
die Persönlichkeitsentwicklung des Individuums, also ein Kernparadigma der
Bildungslandschaften, in den Blick, stellt dabei die Bedeutung des sozialen Kontexts
in den Vordergrund und differenziert diesen in einem vierstufigen Mehrebenen-
Modell, das der Komplexität von Bildungslandschaften entspricht.
In dieser Arbeit soll daher das Potenzial der wirkungsorientierten Steuerung mit
Bezug auf Bronfenbrenners Sozialökologie für die Steuerung und Erforschung von
Bildungslandschaften reflektiert werden. Zunächst wird – in Anlehnung an Beitrag
I (Jungermann et al., 2015) – die Programmatik von Bildungslandschaften, einige
ihrer zentralen Paradigmen sowie der aktuelle Forschungsstand ausführlich
vorgestellt (Kapitel 2). Danach werden die Ansätze der wirkungsorientierten
Steuerung (Kapitel 3) sowie der Sozialökologie (Kapitel 4) beschrieben. Auf dieser
Basis wird eine exemplarische Wirkungslogik für Bildungslandschaften entwickelt,
die als Prototyp für empirische Fälle genutzt werden kann (Kapitel 5).
Für Bildungslandschaften spielen lokale Koordinierungsstellen, wie beispielsweise
Regionale Bildungsbüros, eine besondere Rolle. Diese wurden im Rahmen einer in
Beitrag II zusammengefassten Bestandsaufnahme umfassend untersucht
(Manitius, Jungermann, Berkemeyer & Bos, 2013). In Kapitel 6 wird daher an zwei
- IV -
Beispielen konzeptionell und empirisch aufgezeigt, welche Perspektiven sich aus
dem Ansatz der Wirkungsorientierung für die Rolle der Regionalen Bildungsbüros
ergeben. Der erste Fall stützt sich auf die empirischen Erkenntnisse von Beitrag IV,
in dem eine systematische Analyse der Vernetzung einer Schule mit Partnern im
außerschulischen Umfeld durchgeführt wurde (Jungermann, eingereicht). Das
Beispiel zeigt, wie die Vernetzung von Schulen im Sozialraum anhand von drei
theoriegeleitet erstellten und empirisch operationalisierten Dimensionen
(Institutionalisierung, Kooperationsaktivität, Reziprozität) analysiert und
weiterentwickelt werden kann (ebd.). Der zweite Fall beschreibt, wie
Schulnetzwerke am Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule von
der Koordinierungsstelle (dem Regionalen Bildungsbüro) unterstützt werden
können. Dabei bezieht sich das Beispiel auf die in Beitrag III dargestellte
Untersuchung der Unterstützungsleistungen von Regionalen Bildungsbüros für
Schulnetzwerke (Sartory, Jungermann & Järvinen, 2017). Abschließend wird in
Kapitel 7 das Potenzial der Wirkungsorientierung für Bildungslandschaften kritisch
reflektiert und Perspektiven für die Forschung diskutiert.
Description
Table of contents
Keywords
Bildungslandschaft, Wirkungsorientierung, Sozialökologie