System und Akteur. Zum Nutzen zweier soziologischer Paradigmen bei der Erklärung erfolgreichen Scheiterns
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Date
1993
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Das Phänomen des erfolgreichen Scheiterns wird auf die Eigendynamik sozialer Netzwerke bezogen, die von strategisch handelnden Akteuren geschaffen werden, sich jedoch gegenüber den manifesten Interessen der Beteiligten verselbständigen. Dies wird anhand einer empirischen Studie zur Geschichte der deutschen Raumfahrt illustriert. Eine Interpretation dieses Sachverhalts mit Mitteln der soziologischen Theorie erfordert ein analytisches Instrumentarium, das sowohl die Entstehung sozialer Strukturen aus den Interaktionen der
Individuen (Emergenzproblem) als auch die Bindung der Individuen an die von ihnen geschaffenen Strukturen (Integrationsproblem) beschreibt. Da weder systemtheoretische noch akteurtheoretische Modelle eine zufriedenstellende Lösung beider 'Rätsel' anbieten, wird eine Verknüpfung von System- und Akteurtheorie vorgeschlagen, die den Akteuren generalisierbare Interessen unterstellt, welche auf die Handlungslogiken der ausdifferenzierten gesellschaftlichen Teilsysteme einerseits, auf zweckrationale Kalküle andererseits bezogen werden können. Die Eigendynamik sozialer Netzwerke erklärt sich somit durch die Tatsache, daß diese eine eigene, von den beteiligten Akteuren nicht mehr exklusiv kontrollierbare Handlungslogik entwickeln, die durch das Prinzip der kommunikativen Verständigung geprägt ist. Akteurrationalität, Systemrationalität und kommunikative Rationalität können in ein widerspruchsvolles und spannungsreiches Verhältnis zueinander treten, das vom individuellen Akteur als sozialer Zwang empfunden wird und ihm das Gefühl vermittelt, mit seinen Strategien gescheitert zu sein.
Description
Table of contents
Keywords
Raumfahrt, Bundesrepublik Deutschland, Systemtheorie, Handlungstheorie, Soziale Netzwerke, Eigendynamik
Citation
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 45: 1-22