Profil und Auftrag katholischer Schulen – lehramtliche Verlautbarungen und deren Umsetzung im schulischen Alltag
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2015
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Abstract
Schule befindet sich generell im Wandel. Derzeit sind es bildungs- und politische Beschlüsse,
die Richtungen für die Schulentwicklung vorgeben. Dazu zählen beispielsweise Konzepte,
wie individuelle Förderung und Inklusion, durch die ein Beitrag zu größerer Bildungsgerechtigkeit
geleistet werden soll. Umgang mit Vielfalt soll gelernt werden. Weiterhin führt der
demografische Wandel zu einem Rückgang der Schüleranmeldezahlen. Aufgrund dieser gesellschaftlichen
und bildungspolitischen Tendenzen ist es notwendig, dass auch katholische
Schulen die veränderten Bedingungen realisieren und darauf reagieren. Da aber weder Profil
noch Auftrag katholischer Schulen visuell wahrnehmbar sind und zudem verschiedenartig
ausgelegt werden, bestand das Forschungsziel dieser Arbeit darin, das Profil und den Auftrag
katholischer Schulen anhand grundlegender verbindlicher kirchlicher Dokumente anzugeben
und deren Umsetzung im Schulalltag fallbeispielartig zu erheben. Forschungsgegenstand dieser
Untersuchung waren demnach sowohl implizite Erwartungen als auch explizite Forderungen
aus den Grundlagendokumenten katholischer Schulen auf übernationaler, nationaler und
erzbistümlicher Ebene, die in sechs Inhaltsbereiche kategorisiert wurden. Es war erforderlich
zu analysieren, welche konkreten pädagogischen Ansprüche das Lernen und Leben an einer
katholischen Schule grundlegend bestimmen, um anschließend einen Vergleich mit der gelebten
Schulwirklichkeit vornehmen zu können und um abschließend die Charakteristika katholischer
Schulen zu ergründen.
Der empirische Teil dieses Forschungsprojekts wurde in zwei aufeinander aufbauenden Teilanalysen
durchgeführt, die anschließend gebündelt wurden. Zunächst erfolgte eine systematische
Inhaltsanalyse von Schulprogrammtexten katholischer (Real-) Schulen in Verwaltungsträgerschaft
des Erzbistums Paderborn. In Form einer Inhaltsanalyse wurden deren Schulprogrammtexte
anhand der vorher aus den lehramtlichen Verlautbarungen abgeleiteten inhaltlichen
Kriterien untersucht. Da die Ergebnisse dieser Analyse auf der programmatischen Ebene
verbleiben und nicht unbedingt etwas über die schulische Praxis besagen, wurde anschließend
im Rahmen der zweiten Teilanalyse eine quantitative Befragung der Lehrerinnen und Lehrer
an katholischen Realschulen in Verwaltungsträgerschaft des Erzbistums durchgeführt, um
nachvollziehen zu können, ob und inwieweit die grundlegenden Elemente der lehramtlichen
Verlautbarungen für katholische Schulen, die durch die Analyse der Schulprogramme weitestgehend
bestätigt wurden, tatsächlich im Schulalltag Realisierung finden. Um zu fundierten
Aussagen über das Profil und den Auftrag katholischer Schulen am Fallbeispiel besagter Realschulen
zu gelangen, galt es, vor der Erstellung des Erhebungsinstruments und der sich anschließenden
Datenerhebung, Forschungshypothesen sowie Präzisierungen zu formulieren. In
dieser Untersuchung hat die Fragebogen-Methode Anwendung gefunden, in der den Lehrern
klar strukturierte, neutral formulierte und verständliche Fragen und Feststellungen zur schriftlichen
Beurteilung vorgelegt wurden, die sie durch Ankreuzen festgelegter Antwortmöglichkeiten
im Sinne einer endpunktbenannten 5er-Skala beantwortet oder für die sie die Antwortrestkategorie
gewählt haben. Nach der Datencodierung und der Dateneingabe in eine Rohdatenmaske
erfolgte die Auswertung mittels der statistischen Software R.
Da es sich um deskriptive Statistik handelt, beziehen sich die Auswertungen der Schulprogrammtexte
nur auf die erhobene Datenmenge und sind nicht repräsentativ. Die Analyse hat
ergeben, dass die sechs Inhaltsbereiche (Ganzheitlicher Erziehungs- und Bildungsauftrag, Erziehungsgemeinschaft,
Katholisch kirchliche Identität, Personalmanagement, Religionsunterricht,
Schulentwicklung) nebst Unterpunkten in der Mehrzahl der Schulprogrammtexte berücksichtigt
worden sind, wobei jedoch die Inhaltsbereiche Religionsunterricht und Schulentwicklung
Zweifel an ihrem in den Grundlagendokumenten postulierten hohen Stellenwert
aufkommen ließen. Die Ergebnisse der erfolgten Fragebogenerhebung beziehen sich lediglich
auf die oben bereits definierte Grundgesamtheit bzw. die konkrete Rücklaufquote von
57,6 % und sind nicht auf andere Adressaten, Situationen und Bereiche generalisierbar. Die
zweite Teilanalyse zusammenfassend, ist festzustellen, dass sich auf der Grundlage der Datenauswertung
und Interpretation die folgenden Inhaltsbereiche als profilgebend für katholische
Realschulen in Verwaltungsträgerschaft des Erzbistums Paderborn erwiesen haben: Erziehungsgemeinschaft,
katholisch kirchliche Identität und Religionsunterricht. Der ganzheitliche
Erziehungs- und Bildungsauftrag, das Personalmanagement und die Schulentwicklung
hingegen sind auf Basis der Daten als nicht profilgebend zu betrachten.
Die Zusammenführung der Teilanalysen hat dazu beigetragen, präzise und realistische
Aussagen zum Profil und Auftrag katholischer Schulen anhand der Formulierungen der
Schulprogramme und der Ergebnisse der Wirklichkeitsuntersuchung ableiten zu können. Gerade
in den Inhaltsbereichen, die sich als profilgebend für katholische Realschulen in Verwaltungsträgerschaft
des Erzbistums Paderborn herausgestellt haben, konnten zahlreiche Parallelen
zwischen pädagogischen Ansprüchen in Schulprogrammen und Schulalltag festgestellt
werden. Für das Abweichen von programmatischen Ambitionen und schulischer Realität
wurden mögliche Erklärungen thematisiert. Obgleich sich die Inhaltsbereiche Ganzheitlicher
Erziehungs- und Bildungsauftrag, Personalmanagement und Schulentwicklung zum Zeitpunkt
der Forschungsstudie nicht als profilgebend erwiesen haben, so beinhalten sie dennoch zahlreiche
Aspekte, die dazu geeignet sein könnten, zur Profil- und Qualitätsentwicklung katholischer
Schulen beizutragen.
Description
Table of contents
Keywords
Schulentwicklung katholischer Schulen, Schulprogrammarbeit, Gravissimum educationis, Schreiben der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Qualitätskriterien, Leitbild und Qualitätsanalyse