Metropole
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2013-03-20
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Metropole ist ein schillernder Begriff. Er verspricht Urbanität, Modernität, Kreativität, Vielfalt und ruft bestimmte Wünsche, Sehnsüchte und Weltstadtbilder hervor. Als Inbegriff des Urbanen erlebt das Diskursphänomen „Metropole“ in gesellschaftlichen, stadtpolitischen
und wissenschaftlichen Kontexten seit nunmehr zwei bis drei Jahrzehnten eine fortwährende Konjunktur. Realer Hintergrund der Metropolendiskurse sind funktionale, sozialräumliche und politische Transformationen, welche vor allem die großen Städte und ihre Positionen im
nationalen und globalen Städtesystem betreffen. Die Städte sehen sich im nationalen und internationalen Standortwettbewerb und richten ihre Politik darauf aus, ihre Standortattraktivität
zu verbessern. Die höchste Stufe städtischer Zentralität – Metropole zu sein,
das Label Metropole zu verwenden oder zumindest metropolitane Eigenschaften zu besitzen – wird für viele Städte zu einem zentralen Aspekt ihres normativen Selbstbildes. Was aber verbirgt sich hinter dem Begriff Metropole, was macht seinen Bedeutungsgehalt aus, und welche Funktionen üben Metropolen aus? In der Arbeit werden erstens die kulturellen und symbolischen Zuschreibungen, die mit dem Metropolenbegriff verbunden sind, erörtert, zweitens die metropolitanen Funktionen theoretisch systematisiert und drittens die
Metropolfunktionen im deutschen Städtesystem quantitativ analysiert. Mit einer quantitativen semiologischen Analyse der führenden deutschen überregionalen
Printmedien werden die Muster des Sprachgebrauchs für den Begriff Metropole herausgearbeitet. Sie werden als Bedeutungszuschreibungen in massenmedialen Kommunikationsprozessen interpretiert und erzeugen für den Metropolenbegriff ein semantisches Feld, dessen Analyse Aussagen über den Bedeutungsgehalt und die Funktionen von Metropolen zulässt. Metropolen verfügen einerseits über symbolisches Kapital, das sich in metropolitanaffinen Zuschreibungen niederschlägt und sie von anderen Städten unterscheidet. Anderseits verweisen die Sprachmuster auf ökonomische, politische, kulturelle, soziale, verkehrliche und
bauliche Aspekte, die Metropolen als Zentren der Symbolproduktion und Orte baulichräumlicher Konfigurationen mit hohem Symbolwert charakterisieren. Diese Zuschreibungen verweisen auf metropolitane Funktionen, die auch Gegenstand der Metropolenforschung sind. Metropolität beschreibt ein theoretisches Konstrukt, das durch metropolitane Funktionen operationalisiert werden kann. Dieses funktionale Metropolenverständnis bezieht sich neben den klassischen ökonomischen auch auf soziale, kulturelle und politische Funktionen. Mit einer indikatorengestützten quantitativen Analyse metropolitaner Funktionen zur Messung der Metropolität deutscher Städte können Veränderungen der räumlichen Konzentration und
funktionalen Spezialisierung im Zeitverlauf analysiert und anschließend im Zusammenhang
mit Ansätzen der Agglomerationstheorie interpretiert werden. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands kommt es bis heute zu einem großräumigen Prozess der Konzentration. Auf der Ebene der Kreise und Städte zeigen die Daten eine polarisierende
Konzentration, indem vor allem die Hauptstadt Berlin und die beiden großen
Regionalmetropolen München und Hamburg ihre Position ausbauen können. Hingegen geht
die metropolitane Bedeutung der kleineren Zentren relativ zurück. Der Prozess der großräumigen Konzentration wird überlagert von einem Prozess der intraregionalen Dekonzentration. Dieser lässt sich vor allem in München nachweisen, aber auch in den morphologisch polyzentralen Metropolräumen Stuttgart, Frankfurt/Rhein-Main und Rhein-Ruhr. Den Positionsgewinnen von Berlin, München und Hamburg stehen Positionsverluste der westdeutschen Zentren und Metropolräume, insbesondere des Metropolraums Rhein-Ruhr, gegenüber.
Aus der Analyse der funktionalen Differenzierung metropolitaner Funktionen geht hervor, dass vor allem die großen Metropolräume Berlin, Hamburg, München, Rhein-Ruhr und Frankfurt/Rhein-Main in den meisten metropolitanen Teilfunktionen Stärken besitzen und insofern eine diversifizierte Struktur aufweisen. Allerdings weisen auch diese Metropolräume
in einigen Teilfunktionen überdurchschnittliche Konzentrationen auf, die sich im Zeitverlauf weiter verstärken. Es kommt in diesen Räumen also zu einer Zunahme der Funktionsspezialisierung,
so dass sich Spezialisierungs- und Diversifizierungsprozesse überlagern. In
Berlin kommt es zu Funktionsgewinnen, wobei die höchsten Gewinne auf die klassischen
Hauptstadtfunktionen entfallen. Diese Funktionsverlagerungen hängen direkt oder indirekt mit der Rolle Berlins als Regierungssitz zusammen. Hingegen nimmt der Metropolraum Berlin bei den ökonomischen Funktionen keinen Spitzenplatz im deutschen Vergleich ein. Die metropolitanen Funktionsprofile der ost- und westdeutschen Metropolräume unterscheiden sich daher erheblich. Die ökonomischen Funktionen sind auf die westdeutschen Metropolräume konzentriert, die wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Funktionen
jedoch zum Großteil auf Berlin und teilweise auch auf die anderen ostdeutschen Metropolräume. Abschließend werden die grundlegenden Fragen nach dem Verständnis von Metropole und Metropolität aufgeworfen und in einem Modell mit den drei Ebenen Materialität, Funktion und Bedeutung verdeutlicht.
Description
Table of contents
Keywords
Global city, Lexikometrie, Medienanalyse, Metropole, Metropolfunktionen, Städtesystem, World city